Mehr über Compliance

Unternehmen benötigen heutzutage nicht allein solitäre Compliance-Abteilungen, die die Einhaltung von Richtlinien aller Unternehmensabteilungen auf sich allein gestellt überwachen. Vielmehr definieren immer mehr Unternehmen die Aufgabe ihrer Compliance-Stellen als Förderung einer unternehmensweiten Compliance-Kultur, die in allen Abteilungen für sich gelebt und „von oben“ lediglich in Leitlinien definiert und kontrolliert wird. Das hat entscheidende Vorteile, wie die Praxisbetrachtung zeigt:

Für eine Revisionsabteilung eines Konzerns ist es schwierig zu beurteilen, ob die Einladung der Geschäftsführung an einen Geschäftspartner zu einem regionalen Brauchtumsfest von den Compliance-Richtlinien gedeckt ist oder bereits als Versuch der illegalen Beeinflussung gewertet werden kann. Immerhin wäre die Absicht der Einladung ein entscheidender Faktor einer soliden Bewertung, sie bleibt der Revisionsabteilung allerdings verborgen. Insofern wird sie in der Regel nach „legal risk“ beurteilen und die Freigabe zur Einladung als bedenklich verweigern. Da ein solches Vorgehen allerdings wiederum mit Schwierigkeiten im geschäftlichen Alltag der betroffenen Abteilung einhergehen kann, ist die Gefahr groß, dass sich im Unternehmen gegenüber der Compliance-Abteilung Umgehungsmechanismen entwickeln. Insofern ist ein basisnahes Compliance unter Berücksichtigung der legalen individuellen Praxis häufig zielführender.